Baunatal | Stadtmarketing Im zweiten Teil des Interviews geht es um die Ausrichtung des Hotels, die Zukunft der Hotellerie, die Vorteile von Kooperationen, Wettbewerbshüter und das Ziel auch die Baunataler als Gast zu bewirten. Carsten Eck ist seit vielen Jahren erfolgreicher Hotelier in Baunatal (Best Western Ambassador) und Kassel (Kurfürst) – jetzt ist seine Tochter Anna Friedrich in das Unternehmen als Geschäftsführerin mit eingestiegen. Dirk Wuschko hat sich mit ihnen zu dem zweiteiligen Interview getroffen.

Aus Sicht der US-Amerikaner ist die Best Western Gruppe die Kommunisten unter den Hotels

Ihr seid ja eigentlich für den Nicht-Kundigen mit der Marke BEST WESTERN ein Kettenhotel. Die meisten Menschen gehen dabei wohl nicht davon aus, dass das Hotel Inhabergeführt ist, wo jemand vor Ort ist und die Entscheidungen trifft. Vielleicht könnt ihr dieses Geschäftsmodell nochmal erläutern.

Anna: In diesem Bereich habe ich ja sehr viel gearbeitet. Kaum eine Hotelkette besitzt noch die Hotelimmobilie. Ganz viele Konstellationen sind deutlich aufgesplitterter als es bei uns der Fall ist. Uns gehört die Immobilie und das Unternehmen. Wir haben lediglich eine Marke, die uns und den Gästen gewisse Annehmlichkeiten verschafft. Wenn man hingegen das Beispiel von einem Holiday Inn nimmt, da gehört teilweise jemanden die Immobilie, eine Hotelmanagement-Gesellschaft, die im Zweifel auch von einem einzelnen Unternehmer geführt wird und noch die Marke obendrauf. Was ich damit sagen will, ist, dass wir auch während Corona definitiv davon profitiert haben, dass die Immobilie unser Eigentum ist und dass wir über die Jahre eine sehr nachhaltige Pacht bezahlen konnten. Das können viele andere Hoteliers – gerade in Großstädten – nicht.

Hat es euch geholfen unter einer Marke zu laufen während der Corona-Zeit?

Carsten: Das ist schwierig zu beantworten. Ich bin ja vor knapp 40 Jahren hier her gekommen. Meine erste Entscheidung war damals nicht als Einzelkämpfer dieses damalige Stadtpark Hotel hier auf den Weg zu bringen.

Ich habe mich dann mit Best Western zusammengeschlossen, die damals noch Unitels hießen. Das war eine Gruppe individualbetriebener Hotels, die sich zusammengeschlossen haben, um dem wachsenden und sich verändernden Markt zu begegnen. Dann haben wir im Laufe der Jahrzehnte Best Western immer stärker auch in Richtung eines Kettenbetriebes ausgebaut.

Die Amerikaner sagen immer wir seien die Kommunisten in der Hotellerie. Best Western ist eine Organisation, die uns Hoteliers gehört. Das heißt wir sind, früher über eine Genossenschaft, jetzt über Aktien, die Eigentümer von Best Western und stellen uns eine Servicezentrale ein, mit der wir Hoteliers bereden, in welche Richtung sich der Markt entwickelt und welche Dienstleistungen wir uns im Marktbereich und Schulungsbereich wünschen.

Da unterscheiden wir uns auch von der klassischen Hotelkette, wo ganz oben irgendein Chairman sitzt, und Vorschläge macht, mit denen die Betriebe gar nichts anfangen können. Wir sind eine Organisation, die von unten nach oben arbeitet. Und das hat mir natürlich über die 38 Jahre sehr stark geholfen, denn ob ich es alleine geschafft hätte, den Standort Baunatal so nachhaltig auf die Tourismuskarte zu setzen, wage ich zu bezweifeln.

Es ist ja in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren auch nicht so gewesen, dass der Seminar- und Tagungsmarkt die tragende Säule des Hauses war. Der nimmt 25% ein. Die Nachfrage ist stärker, aber das Unternehmen ist so auf verschiedene Säule gestellt, dass keiner der vier Bereiche, in denen wir arbeiten – im rein touristischen Bereich, im reinen Übernachtungsbereich beispielsweise für VW-Mitarbeiter sowie im Seminar und Tagungsbereich – dass kein Bereich zu stark wird.

Das heißt, wenn uns irgendetwas aufgrund wirtschaftlicher Entwicklungen wegfällt, sind die anderen drei Märkte durchaus in der Lage das zu kompensieren. Also der reine touristische Bereich, wo Leute für ein paar Tage nach Baunatal kommen, um hier Urlaub zu machen oder zu Sportveranstaltungen zu kommen, ist wesentlich stärker als dieser Seminar- und Tagungsbereich. Das hat uns über die Corona-Zeit auch geholfen.

Die Übernachtungen der Mitarbeitenden von VW, der Deutschen Bahn etc. haben immerhin dafür gesorgt, dass wir eine Auslastung von ca. 40% hatten. Selbst in der schlimmsten Zeit sind wir noch bei 30% gewesen. Das hat dazu beigetragen, dass zwar nicht die Kapitalkosten aber immerhin die Betriebskosten annähernd gedeckt werden konnten. Insofern hat sich diese Strategie als richtig heraus gestellt. Der Tagungsbereich ist momentan bei null genauso wie der privattouristische Bereich, die beide jeweils 25% ausgemacht haben. Die anderen Bereiche haben das Unternehmen am Leben erhalten und Zuwachszahlen erzielt, da auch einfach mehr Kapazitäten da waren. Wenn wir in der Vergangenheit an 130 bis 140 Tagen ausgebucht waren und mangels Kapazität Geschäfte ablehnen mussten, passiert das in der Corona-Zeit nicht. Im letzten Jahr hatten wir vielleicht fünf Tage, an denen wir komplett ausgebucht waren und die lagen alle im Januar und Februar. Vor dem Lockdown im Oktober hat es dann nur noch einen gegeben.

Gereist ist schon Ötzi über die Alpen vor 5500 Jahren und auch in 50 Jahren wird der Mensch übernachten

Wo seht ihr Wachstumsmärkte für euren Standort?

Anna: Für Baunatal können wir die touristischen und die privaten Reisen noch weiter ausbauen. Vor Corona war Reisen omnipräsent. Während man früher vielleicht einmal im Jahr mit der Familie in den Urlaub gefahren ist, fährt man heute mindestens zweimal und vielleicht auch noch einmal zum Skifahren. Auch Trips über ein langes Wochenende sind ganz normal geworden.  Die Frage bleibt noch offen, ob es wieder so wird, wie es vor der Pandemie war.

Baunatal und Nordhessen hat den großen Vorteil, dass es zentral in Deutschland liegt. Sollte es also dabei bleiben, dass die Menschen sich mehr Gedanken über den ökologischen Fußabdruck machen, den sie beim Reisen hinterlassen, dann kann Baunatal als Standort davon sehr profitieren.

Carsten: Das sehe ich auch so. Wenn es ums Wandern geht oder auch um Rad- oder Motorradtouren sind wir hier umgeben von einer wirklich tollen Landschaft. Der Individualbereich hat daher von Jahr zu Jahr zugenommen.  Wandern auf den Spuren der Gebrüder Grimm sowieso. Da passiert ja eine ganze Menge Marketing über die Grimmheimat. Radfahren ist aufgrund der Landschaft in Nordhessen nicht ganz so einfach aber die E-Bikes retten uns in diesem Bereich. Und genau diese 50+ Generation macht sich Gedanken darüber, wie man umweltfreundlich und somit enkeltauglich Urlaub gestalten kann. Da findet der Urlaub also vor Ort statt. Dieser Bereich ist bis 2019 also stark angestiegen. Eine Auslastung von über 70% lässt sich natürlich nicht nur über die werktägliche Auslastung durch Monteure erreichen, dazu braucht man auch die Wochenenden. Im touristischen Bereich sehe ich also definitiv Zukunftspotenzial.

Anna: Da können wir auch mit unseren Familienzimmern punkten. Wir haben sehr große Zimmer, in denen auch eine 4-Bett-Belegung kein Problem ist. Das ist natürlich schön wenn man nicht zwei  Zimmer buchen muss und die Kinder einfach im Zimmer schlafen können. Somit reagieren wir auf die Zielgruppen. Besonders im Sommer funktioniert das bereits sehr gut für die Durchreisenden und Familien, die ein langes Wochenende in Nordhessen verbringen möchten.

Wenn man sehr weit in die Zukunft schaut, beispielsweise 50 Jahre, wie hat sich dann ein Hotel verändert? Oder ist alles dann noch so wie jetzt?

Anna: Meine ehemalige Firma Christie & Co hat sehr viel in unterschiedlichen Bereichen der operativen Immobilien gearbeitet. Das heißt, wir hatten einen sehr regen Austausch mit Kollegen die Altenheime, Seniorenresidenzen und auch Krankenhäuser beraten haben. Da kam immer die Frage, wie sich das Reisen verändert, insbesondere durch Airbnb. Ich glaube der große Vorteil an Hotels ist, dass die Leute immer Reisen werden. Das ist nichts, was man durch Technologien verändern kann. Am Ende des Tages möchte man irgendwo nächtigen können und in der Lage sein mobil zu bleiben. Von daher glaube ich, dass die Grundidee Gastgeber zu sein und Schlafmöglichkeiten anzubieten sich auch in den nächsten 50 Jahren sich nicht fundamental geändert haben wird.

Die Art und Weise wird sich sicherlich ändern. In der Vergangenheit haben wir schon den Trend hin zu Hostels gesehen mit Vielbettzimmern, damit Reisen möglichst günstig ist. Wir haben aber auch gesehen, dass viele Menschen ein Erlebnis erwarten und nicht eine bloße Übernachtung. Ich möchte zwar nicht sagen, dass das Haus in 50 Jahren noch genauso aussieht aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ein Roboter an der Rezeption stehen wird und wir keine Mitarbeiter mehr haben werden. Dafür ist es zu wichtig diese menschliche Verbindung zu haben.

Carsten: Das sehe ich ähnlich. So dramatisch viel wird sich da nicht tun. Menschen reisen aus Neugier, aus Handelsgründen und so weiter. Ötzi hat schon vor fünfeinhalbtausend Jahren die Alpen überquert. Auch vor 2000 Jahren hat man schon in Bethlehem keine Herberge mehr bekommen. Das wird sich nicht ändern. Die Hotellerie setzt die Reisetrends nicht, sie sind ein Teil der Reiseindustrie, die Grundtrends setzt. Aber es wäre Kaffeesatzleserei zu sagen, wo wir in 50 Jahren sein werden.

Die Zukunft: Börsennotierte Hotelketten, Einzelunternehmer oder digitale Vermittlungsplattformen

Glaubt ihr, dass die tatsächlich durch einen Unternehmer geführten Hotels Bestand haben werden? Oder denkt ihr, dass in Zukunft eher große Konzerne das Segment bewirtschaften werden?

Anna: Naja. Am Ende sind es immer noch vorwiegend Teilunternehmer, die Hotels führen. Denn das operative Risiko wird von ihnen getragen. Die Kette liefert bestimmte Unterstützungen, die man aber als Unternehmer aber letztendlich auch bezahlt. Das heißt die Frage „Bin ich kettengestützt oder nicht“ ist letztendlich eine unternehmerische Entscheidung, die man am Ende des Tages trifft. Der Trend geht definitiv von den Großkonzernen dahin, dass sie versuchen mehr zu aggregieren und den noch sehr individuell geführten Europäischen Hotelmarkt zusammenzuführen. Das führt dahin, dass es immer mehr Marken gibt und selbst ich – die wirklich in der Branche zuhause war – teilweise nicht mehr weiß, welche Marke zu welchem Konzern gehört. Für den Hotelgast ist das noch viel undurchsichtiger geworden.

Was Marken immer versuchen, ist eine gewisse Sicherheit zu bieten. Das war in den letzten Jahren unglaublich wichtig als es das Internet noch nicht gegeben hat und man noch nicht online schauen konnte, wie andere Leute dieses Hotel bewerten. Da hatte der Name Hilton oder Marriott noch eine starke Aussagekraft.

Davon geht es ein bisschen weg und ich glaube die Marken versuchen krampfhaft daran festzuhalten, weil das ja auch ihre Daseinsberechtigung ist. Unseren Mehrwert von Best Western sehe ich in Baunatal absolut, das ist nichts, was ich in Frage stellen würde. Aber der Unternehmer und das Team Vorort bleibt am Ende das Herzstück des Hauses, das wird sich nicht ändern.

Baunatal, Nordhessen, Hessen Hotel, Best Western Ambassador, Carsten Eck, Anna Friedrich, Dirk Wuschko
Carsten Eck und Tochter Anna Friedrich sind jetzt gleichberechtigte Geschäftsführer des Best Western Ambassador Baunatal und des Hotel Kurfürst in Kassel

Auf anderen Märkten gibt es ja schon die Bestrebung, dass immer größere Konstrukte entstehen. Da kommt man in eine Systematik, in der am Ende des Tages die großen Kapitalgesellschaften die Investitionen stemmen können, die ein Einzelner nicht mehr stemmen kann. Beispielsweise wenn es um Digitalisierung und Portale geht. Man stelle sich mal vor ihr hättet alle Digitalisierungsschritte selber finanzieren müssen und nicht über Best Western.

Carsten: Das wäre kaum möglich gewesen. Aber auch da greift wieder die Segnung der arbeitsteiligen Gesellschaft. Irgendjemand entwickelt das, nicht für einen Betrieb sondern für tausende Betriebe, beispielsweise wie die Buchungsplattform, und verlangt dafür einen Obolus. Das finde ich auch vollkommen fair. So wie ich meinen Schuster dafür bezahle mir neue Sohlen zu machen, bringt der mir eine Dienstleistung, die ich alleine nicht entwickeln könnte. Da mache ich mir auch weniger Gedanken drum. Ich verstehe auch nicht diese Diskussion in unserer Branche, dass Geld verlangt wird für eine Vermittlungstätigkeit. Früher haben sie den Reisebüros freiwillig 20% bezahlt und hatten noch die gesamte Arbeit bei sich im Hotel. Ich bediene mich der arbeitsteiligen Gesellschaft und ein dafür muss man eben auch bezahlen.

Anna: Die Problematik entsteht, wenn es eine gewisse Monopolstellung gibt. So lang man noch fünf Schuster zur Auswahl hat und entscheiden kann zu welchem man gehen möchte, ist das in Ordnung. Wenn du aber als Unternehmen auf ein oder zwei Schuster – um bei dem Bild zu bleiben – angewiesen bist, dann sehe ich da schon eine Schwierigkeit. Diese Monopolstellung kann nämlich auch ausgenutzt werden.

Carsten: Eine Monopolstellung kann ausgenutzt werden bis zu einem bestimmten Punkt. Wenn es darüber hinausgeht, wird derjenige, der sich diesem Konstrukt bedient nach anderen Wegen suchen. Man kann das nicht bis ins Grenzenlose ziehen. Auf der anderen Seite haben wir unsere Wettbewerbsrechtler, die weltweit dafür sorgen, dass auch die Räume von Konzernen wie Amazon, Apple und Co nicht so weit in den Himmel wachsen.

Anna: Aber um auf die Eingangsfrage der Markenunterstützung zurück zu kommen. In der Hotellerie sehe ich die Entwicklung anders als in anderen Sektoren. Was Expedia oder booking.com als digitale Reisebüros geleistet haben mit dem Aufbau ihrer Plattformen hat mehr unterstützend gewirkt als das der Marken. Best Western, Hilton und IHG (Intercontinantal Hotel Group), beschränken sich natürlich immer nur auf ihre Systeme, während booking.com alle Hotels gleich behandelt und dafür einen gewissen Prozentsatz Kommission verlangt.

Solange da mehr Flexibilität im Markt bleibt und es genügend Anbieter gibt, kann man als Unternehmer für sich die beste Entscheidung treffen. Sobald eine Marke dabei ist, die einem vorschreibt, wie man etwas zu tun hat, dann sehe ich das als eher schwierig an. Am Ende haben sich die Marken in den letzten immer mehr für die Unternehmer und für die Immobilienbesitzer entwickelt und weniger für die Gäste. Das wird ihnen glaube ich auf die Füße fallen. Am Ende ist es ja der Gast, der dafür sorgt, dass der Unternehmer und das Hotel fortbestehen können.

Es gab ja auch Klagen gegen Plattformen, die gefordert haben, dass man es bei ihnen zum besten Preis anbieten muss.

Anna: Ja. Manchmal muss die Politik mit einsteigen und die wettbewerblichen Regeln korrigieren – die letzte Entscheidung muss beim Unternehmer sein.

Carsten: Und vor allem beim Gast. Diese Provisionen werden am Ende ja immer vom Gast bezahlt. Wenn die Gastportale und die Online Reisebüros die Preise nach oben treiben dann ist das auch für den Konsumenten nicht gut. Wenn die dann auch noch vorschreiben, dass sie Kunden nur vermarkten, wenn sie ihnen den gleichen Preis geben wie an der Rezeption, dann wird das Marktrecht auseinander genommen. Da kommt natürlich die Rechtsprechung und sagt, dass das aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht möglich ist.

Wie verhält sich das bei euch? Wie viel kommt über diese Portale rein? Wie viel macht ihr noch im Direktgeschäft?

Carsten: In unserem Betrieb in Kassel läuft relativ viel über die Portale. Da ist es ein gutes Drittel, fast 40% was über die Portale läuft. Hier in Baunatal ist es natürlich viel Direktgeschäft.

Was für euch ja besser ist, oder?

Anna und Carsten: Ja!

Anna: Viele Gäste kommen ja auch immer wieder, beispielsweise jede Woche. Dann stehe sie Freitag an der Rezeption und buchen für die nächste Woche. Das geht jetzt während Corona hervorragend. Danach werden sicherlich auch wieder Zeiten kommen, wo man ein bisschen weiter im Voraus schauen muss. Viele auch über Telefon, also den älteren Vertriebsweg.

Carsten: Die, die noch funktionieren. Es kommt also jetzt nichts mehr über Fax.

Anna: Obwohl das Fax noch hier steht.

Das Hotel als Begegnungsstätte vor Ort – auch für die Einheimischen

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Dieser Seminarraum wird schon bald der Hotellobby zugeschlagen und wird Bestandteil des neuen Konzeptes

Ihr habt ja schon angedeutet, dass ihr das Hotel neu denkt. Habt ihr noch weitergehende Gedanken als die Umwandlung eines Konferenzraums in einen Gastronomiebereich?

Carsten: Wir bauen den Betrieb jetzt immer mehr zu einer Begegnungsstätte aus. Es geht einfach darum mehr Platz zu schaffen, mehr Raum zu haben, schönes Ambiente zu bekommen. Architekten machen sich Gedanken, wie es einzurichten ist. Von der Gestaltung der Hotelhalle, des Restaurants und der Bar spielen wir auch ein bisschen das Thema Großstadt. Wir wollen nicht die Landhausgastronomie mit den Schnörkeln, sondern es sind Konzepte, wie sie eigentlich in Großstädten stattfinden. Offen, vielfältig, moderne Farben. Das will ich auch nicht alleine kreieren. Dafür holt man sich einen Architekten, wir geben ihnen vor, wie wir die Räumlichkeiten nutzen wollen und die konzeptionieren das.

Wie weit seid ihr in den Gedanken und Prozessen? Ein Thema, was auch schon vor Corona aktuell war, ist Nachhaltigkeit. In einem Hotelbetrieb muss natürlich jeden Tag die Wäsche gewechselt werden. Wie weit seid ihr in diesem Thema?

Carsten: Wir sind im Prinzip so weit, wie man sein kann, wenn man Geld – auch viel Geld- in die Hand nimmt. Wir haben im Laufe der letzten Jahre unseren Energieverbrauch halbiert. Früher haben wir eine Größenordnung von 2.000.000 kw/h gebraucht, das ist für Strom, Heizung, Gas und solche Sachen. Das ist für ein Unternehmen beziehungsweise ein Gebäude, was die Größe von 60 Einfamilienhäuser hat, nicht sonderlich viel. Das ist durch Fotovoltaik- und Kraftwärmekopplungsanlagen runter gegangen auf die Hälfte, also unter 1.000.000 kw/h.

Anna: Das Thema Nachhaltigkeit ist etwas, was bei uns schon länger gelebt wird. Dass man in ein paar Jahren keine Plastikstrohalme mehr hat, ist glaube ich nur das i-Tüpfelchen. Beispielsweise haben wir keine Shampoo Flaschen, die weggeworfen werden, die werden wieder aufgefüllt seit Jahrzehnten. Ähnlich am Frühstücksbuffet: Bei uns gibt es Marmelade nicht einzeln verpackt sondern direkt aus dem Glas. Da haben wir bei Corona aufgrund der Hygienebestimmungen einen kleinen Rückschritt gemacht. Aber das sind alles Dinge, die haben für mich nicht nur mit Nachhaltigkeit zu tun, so bin ich einfach aufgewachsen. Auch das man möglichst wenig Lebensmittel wegschmeißt. Was bestimmt noch Potenzial hat, ist der Wäschebedarf. Aber wir haben kein Schwimmbad und die Dinge, die wirklich energietreibenden sind.

Eine Frage habe ich noch. Habe ich das vorhin richtig verstanden: Hotels werden ja von Einheimischen eher als Hotel angesehen und weniger als Ort der Gastronomie.

Anna: Ich bin sehr froh, dass du da nochmal nachfragst. Das ist in den Großstädten so anders. Ich verstehe wirklich nicht, warum Menschen hier scheinbar eine Hemmschwelle verspüren in einem Hotel essen oder was trinken zu gehen und was man tun kann, damit unser Haus wirklich eine Begegnungsstätte wird, wie mein Vater das gesagt hat. Ich meine wir sind 365 Tage im Jahr 24 Stunden für unsere Gäste da und ich finde es wirklich schade, dass viele Baunataler bestimmt schon mal hier gefeiert haben aber nicht mal abends auf ein Bierchen auf unserer Terrasse vorbei kommen.

Ich glaube viele Menschen kennen das Hotel im eigenen Ort nur für Gäste zum Schlafen. Das Problem ist auch nicht nur bei euch so vorhanden.

Carsten: Zu bestimmten Anlässen. Also unser Sonntagsbuffet oder unser Frühstücksbuffet ist von sehr vielen Leuten sehr stark nachgefragt, Feiern auch. Taufen, Beerdigungen, runde Geburtstage und Hochzeiten werden hier gefeiert. Gänseessen sowieso. Da ist unser Raum natürlich ideal: überdacht aber auch mit Freifläche. Aber, dass man bei dem normalen Essen gehen abends das beste Rindfleisch der Stadt bei uns im Ambassador bekommt, wissen nur wenige.

Aber das ist schon ein Ziel für euch, oder? Dass die Baunataler bei euch auch essen gehen?

Carsten: Ja auf jeden Fall! Es gibt ja auch ein paar Baunataler die kommen, aber abends im Durchschnitt vielleicht 14 Personen also rund 5.000 Gäste im Jahr. Das ist natürlich nicht die Welt. Wir sind also noch nicht der gastronomische Dreh- und Angelpunkt von Baunatal. 

Anna: Obwohl es sicherlich einer der schönsten Biergärten ist, die Baunatal zu bieten hat. Es ist eine Zielsetzung das weiter auszubauen. Das hat sich in den letzten Jahren auch schon gebessert und immer mehr Baunatalerinnen und Baunataler sind abends zu uns zum Essen gekommen. Durch Corona hat sich das natürlich leider erstmal deutlich weniger geworden.

Gestern erschien der erste Teil des Interviews auf dem Baunatal.Blog

Text und Foto (V.i.S.d.P)
Stadtmarketing Baunatal GmbH
Dirk Wuschko
Friedrich-Ebert-Allee 8a, 34225 Baunatal
www.baunatal-bewegt.de

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