Baunatal | Stadtmarketing Carsten Eck ist seit vielen Jahren erfolgreicher Hotelier in Baunatal ( Best Western Ambassador) und Kassel (Kurfürst) – jetzt ist seine Tochter Anna Friedrich in das Unternehmen als Geschäftsführerin mit eingestiegen. Zu einem zweiteiligen Interview hat sich Dirk Wuschko mit den Beiden im Baunataler Hotel Best Western Ambassador getroffen. Im diesem ersten Teil geht es um den beruflichen Hintergrund der neuen Mitgeschäftsführerin Anna Friedrich, die Pandemiezeit und die Konsequenzen für die Hotellerie.

Hallo Anna, der Zeitpunkt zum Einstieg in ein Familienunternehmen in der  ist vielleicht nicht gerade optimal durch die Pandemie… ist das eher für dich eine Motivation zu sagen jetzt rein und machen?

Anna:  Naja, ich mache das ja nicht für ein paar Jahre, sondern wirklich langfristig und das auf und ab gehört in der Hotellerie dazu. Von daher habe ich das so gar nicht betrachtet, ob das jetzt wirtschaftlich gesehen der richtige oder falsche Zeitpunkt ist.

Das ist eine unglaublich spannende Zeit. Ich denke hier im Unternehmen hat ganz viel Umbruch stattgefunden und jeder hat sich nochmal darauf fokussiert, wo die Stärken liegen und was wir wirklich gut können. Von daher sind das für mich fast ideale Voraussetzungen anzufangen und mit dem Team neu durchzustarten. Alle spüren jetzt auch das Kribbeln nach anderthalb Jahren Corona. Es wäre schön, wenn es jetzt bald vorbei wäre. Natürlich können wir alle nur auf Sicht fahren und wissen nicht, ob unser Silvesterprogramm und unser Weihnachtsprogramm so stattfinden, wie wir das gerne hätten und aus den letzten Jahren kennen. Ich sehe das aber eher als positive Herausforderung.

War das für dich klar Carsten, dass irgendwann mal eines deiner Kinder einsteigt?

Carsten: Ja!

Anna: Bei vier Kindern war nur die Frage wer.

Carsten: Genau. Es war nur die Frage wer. Es war klar, dass irgendjemand mit einsteigt. Nennenswert viele Gedanken an einen Verkauf des Unternehmens oder an die Übergabe an einen Geschäftsführer habe ich mir eigentlich nicht gemacht. Es ist in so einem Hotelbetrieb ja auch genügend Arbeit da für zwei oder drei, um auf eine moderne Art und Weise Unternehmen zu führen.

Unternehmensführung sieht ja in Zukunft – und auch im Moment schon – anders aus, als vor 40 Jahren, wo ich sie übernommen habe. Die Möglichkeit Familie, Privatangelegenheiten und Beruf vernünftig unter einen Hut zu bekommen, ist in einem privaten Unternehmen, das ja an 365 Tagen 24 Stunden geöffnet ist, eigentlich ideal.

Seid ihr jetzt eigentlich gleichberechtigte Geschäftsführer?

Carsten: Ja, wir beide sind gleichberechtigte Geschäftsführer. Anna ist gleich als Geschäftsführerin eingestiegen auch von der Selbstkontrahierung befreit nach §181. Sie verfügt in vollem Umfang über Gestaltungsrecht, Entscheidungsrecht und Weisungsbefugnis. Eben alles das, was Geschäftsführer ausmacht.

Das heißt im Zweifelsfall müsst ihr beiden euch einigen?

Anna: Ja.

Carsten: Wir müssen das seit 33 Jahren.

Anna: Genau. Das ist aber glaube ich für mich auch nicht nur mit meinem Vater, sondern auch mit den Mitarbeitern der Weg, den ich nach vorne beschreiten möchte. Natürlich ist es wichtig, dass am Ende jemand das ultimative Sagen hat. Ich glaube aber – und das ist vielleicht auch die Veränderung des Unternehmertums und Führungsverantwortung, die ich sehe und auch selbst erlebt habe auf meinem bisherigen beruflichen Werdegang – dass es eben doch sehr auf Konsens basiert und es nicht läuft nach „Das machen wir jetzt so“ und „my way or the highway“. Von daher bin auch ich jemand, der sehr auf Konsens aus ist.

Von Baunatal, über Wien, Amsterdam und London wieder nach Kassel – Anna Friedrichs beruflicher Werdegang

Du hast ja gerade von deinem beruflichen Werdegang gesprochen. Vielleicht erzählst du nochmal ein bisschen davon, was dich jetzt davon stark macht.

Anna: Ich habe hier im Unternehmen während meiner Schulzeit gearbeitet seit ich 16 bin. Nach dem Abitur bin ich zum Studieren in die Niederlande gegangen und wollte natürlich nicht das machen, was meine Eltern gemacht haben.

Meine Mutter ist ja auch gelernte Hotelfachfrau. Mit Anfang 20, kam es für mich aber nicht in Frage auch im Hotel zu arbeiten. Ich habe in Maastricht International Business studiert und habe es mir relativ lange sehr offen gehalten. Zwischen Bachelor und Master hatte ich ein Praktikum geplant und bin schlussendlich bei PKF otelexperts in Wien gelandet, da kamen die Hotels also schon wieder so ein bisschen rein.

Viele meiner Kommilitonen waren bei Beratungen und für mich war das eine ganz gute Schnittstelle zwischen BWL und Hotel, das kannte ich ja. Dann folgte der Master in Amsterdam im Internationalen Management – immer noch weg von Hotel. Und dann ging der Ernst des Lebens los.

Da musste ich mir nach vier Jahren Studium überlegen, was ich denn nun mit diesem Wissen anfangen möchte. Ich habe dann einen etwas längeren Prozess mit mir gehabt und festgestellt, dass ich es mir ganz ohne Hotel nicht vorstellen kann. Ich hatte dann die Möglichkeit das Londoner Büro der Firma, bei der ich mein Praktikum gemacht habe, mit aufzubauen. Das fand ich aus zwei Gründen sehr spannend: wegen dem Hotelaspekt aber auch – obwohl es kein richtiges Start-up war per Wortdefinition – das Gefühl in London ein neues Unternehmen aufzubauen. Damit hatte ich viel Verantwortung und konnte bei ganz vielen Gesprächen dabei sein, wo ich vielleicht sonst von der Hierarchie her nicht dabei gewesen wäre. So habe ich in kurzer Zeit unglaublich viel lernen können.

Nach eineinhalb Jahren kam dann ein spannendes Angebot bekommen und bin zu Christie & Co gewechselt. Ich habe damals etwas vielleicht nicht strategisch Kluges gemacht und meiner Chefin gesagt, dass ich langfristig schon wieder zurück nach Deutschland möchte und ob sie sich vorstellen kann, mich auch nur für ein bis zwei Jahre einzustellen. Am Ende war ich dann sechs Jahre da. Manchmal kommt es also anders, als man denkt.

Dort habe ich mir also Hotels und den Markt eher aus der Makro-Perspektive angeschaut, viele Machbarkeitsstudien gemacht und auch die eine oder andere Hotelbewertung. Operational Reviews, Strategic Reviews – also Neupositionierungen von bestehenden Häusern sowie Ankaufsprüfungen von Hotelportfolien. Von daher habe ich viel Ahnung von den Zahlen dahinter, wie es am Ende des Jahres aussieht und wie es vielleicht auch in drei Jahren aussieht.

Jetzt ist die spannende Herausforderung den Alltag kennenzulernen.  Wie sorge ich dafür, dass ich am Ende des Jahres auf meine Durchschnittsbelegung von 70% komme?

Von daher glaube ich, dass ich ganz viel mitbringe, aber definitiv auch noch ganz viele lernen kann. Da habe ich ja mit meinem Papa einen sehr versierten Partner an meiner Seite, der das die letzten 40 Jahre gemacht hat. Wiederum habe ich in meiner Zeit natürlich unglaublich viele coole Hotelkonzepte gesehen, die in Großstädten aber in abgespeckter Form wahrscheinlich auch in Standorten wie Baunatal und Kassel funktionieren können.

Wie ist das, wenn du da im Ausland gelebt hast? Danach zurück nach Baunatal stelle ich mir erstmal auch schwierig vor. Oder war das okay für dich?

Anna: Naja, wir haben gesagt Baunatal vielleicht noch nicht, fangen wir mal mit Kassel an. Dort haben wir jetzt eine superschöne Wohnung in der Nähe des Bebelplatzes gefunden. Das war für uns ein ganz guter Kompromiss. Der große Vorteil ist, dass mein Mann auch ursprünglich aus Kassel kommt und wir uns im Studium in den Niederlanden kennengelernt haben.

Ja, es ist definitiv anders und ich würde auch sagen, dass nach zwölf Jahren im Ausland eine Art umgedrehter Kulturschock stattfindet. Es wäre übertrieben zu sagen, dass es super einfach wäre. Da hat Corona vielleicht auch geholfen, da London im letzten Jahr, das wir dort gelebt haben, schon nicht mehr das gleiche war. Dann sind wir vor einem Jahr Eltern geworden und das hat den Lebensfokus natürlich auch nochmal ganz gehörig verändert. Von daher freuen wir uns, dass wir hier wieder in Restaurants gehen können, was wir zu dem Zeitpunkt in London nicht konnten. Aber klar, hin und wieder muss ich mal wieder in einer Großstadt „auftanken“.

CORONA als Chance für Veränderungen – ein Tagungsraum wird abgeschafft

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So sah die Hotellobby Anfang der 80er Jahre im Best Western Hotel aus. Foto: Archiv Hotel Ambassador

Das Thema Corona war ein prägendes Thema in der letzten Zeit. Wie ist es für euch verlaufen? Ihr musstet doch sicherlich auch die Instrumente benutzen, die der Staat zur Verfügung gestellt hat wie beispielsweise Kurzarbeit. Wie seid ihr durch die Zeit gekommen?

Carsten: Es war relativ schnell klar, dass das keine Geschichte sein wird, die nach drei bis vier Wochen vorbei ist. Ich hatte von Anfang an gesagt, dass uns das noch bis zum Ende des Jahres begleiten wird. Dass es jetzt länger geworden ist, ist eben so, aber das kann mich jetzt nicht sonderlich überraschen.

Insofern sind direkt im März letzten Jahres alle Weichen in die richtige Richtung gestellt worden. Das Team insgesamt zu erhalten und behalten war wichtig. Wir haben – mit Ausnahmen unserer studentischen Aushilfen – keinen einzigen Mitarbeiter verloren.

Das hängt sicherlich schon damit zusammen, dass wir schon in 2019 mit einem Mindestlohn von 12 Euro den Mitarbeitern wirtschaftlich auch eine gewisse Sicherheit gegeben haben und uns daher aus finanziellen Gründen niemand verlassen hat. Mit den relativ gut ausgestatteten Löhnen aus der vorherigen Zeit, sind diese Mitarbeiter in die Kurzarbeit gegangen. Wir haben die Arbeit auf alle Mitarbeiter gleichmäßig verteilt, sodass kaum einer in Kurzarbeit 100 gegangen ist und das Team und das Unternehmen relativ schadlos durchgekommen ist.

Die staatlichen Hilfen waren am Anfang sicherlich etwas katastrophal wurden aber mit der November- und Dezemberhilfe eventuell schon etwas überkompensiert. Jetzt kommen noch die Überbrückungshilfe drei und in Zukunft Überbrückungshilfe drei plus. Klar, in den Jahren davor haben wir gute Gewinne gemacht und konnten auch relativ viel investieren.  Dass diese Corona-Zeit nicht unbedingt dass gewinnträchtigste Jahr gewesen ist, das kann sich jeder vorstellen. Aber wir mussten jetzt nicht so sehr unsere Reserven abschmelzen, dass das an die Existenz geht. Ganz im Gegenteil: wir haben noch einen ganzen Teil unserer Zimmer renoviert. Insgesamt 12 Stück, was immerhin zehn Prozent des ganzen Hauses sind, die komplett neu gemacht wurden. Zudem haben wir 36 Bäder neu gemacht in Verbindung mit der Firma Frankfurth und Söhne hier aus Baunatal. Regional ist ja schon seit langer Zeit ein ganz großes Thema für das Haus.

Wir sind jetzt dabei den Wandel, den wir durch die Pandemie erwarten, vorzubereiten.  Es wird im Seminar- und Tagungsbereich sicherlich etwas weniger und der Gastronomiebereich stärker nachgefragt. Das führt dann dazu, dass wir innerhalb des Hauses einen Konferenzraum eliminieren und in Verbindung mit der Hotelhalle und dem Bistro zu einer Lobby mit gastronomischer Nutzung führen.  Diese kann uns dann im Winter die 60 Plätze, die wir im Sommer auf der Terrasse haben, kompensieren. Damit können wir dann auch wieder verstärkt – was im Moment ja leider nicht möglich ist – das Baunataler Publikum empfangen, was gerne ins Hotel zum Essen kommt.

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So sieht heute der Eingangsbereich im Best Western Hotel Ambassador aus

Das heißt ihr geht davon aus, dass das viele digitale konferieren dazu führt, dass ihr Kunden im Tagungsgeschäft verliert?

Carsten: Ja, davon gehe ich aus. Eine Krise – der Name kommt ja aus dem Griechischen – wortwörtlich übersetzt „Chance“ – bietet ja immer die Möglichkeit sich neu aufzustellen. Diese Zeit macht ja auch den Kopf klar, um ein Unternehmen strategisch neu auszurichten auf das, was kommt.

Man kann ja genügend aus der Wirtschaftspresse und aus Forendiskussionen mit Leuten, die in ähnlicher Situation sind, herausfiltern und erahnen, wo es voraussichtlich hingehen wird.

Die grobe Richtung ist anders als die Vergangenheit. Der Educationsmarkt, der Seminar- und Tagungsmarkt wird abnehmen. Der Eventbereich – also das Treffen, um zu feiern und um informelle und innovative Diskussionen zu führen – die werden sicherlich durch den digitalen Raum nicht so aufgefangen werden können. Aber insgesamt werden der Seminar- und Tagungsmarkt sowie der Ausbildungsmarkt zurückgehen. Wir gehen felsenfest davon aus, dass wenn wir einen unserer sieben Tagungsräumen umwidmen, dass das nicht zu einem Belegungsschaden führen wird.

Das Seminar- und Tagungssegment war ja stark ausgeprägt bei Euch. Dann wäre das ja schon ein großes Risiko zu sagen, wir verabschieden uns von einem Konferenzraum.

Anna: Naja, ich glaube es ist ein kalkulierbares Risiko. Wir wandeln nicht alle Tagungsräume um und denken nicht, dass das Segment komplett wegfällt. Aber wie mein Vater gesagt hat, ich glaube der globale Markt wird schon schrumpfen weil jeder jetzt überlegt, ob eine Reise wirklich nötig ist oder ob es auch über eine Videokonferenz geht. Wir haben beispielsweise gestern mit einer Firma aus Kassel gesprochen, die vorgeschlagen haben eine Zoom-Präsentation zu machen, da selbst über kurze Distanzen über die Reisezeit und die Reisekosten nachgedacht wird.

LESEN SIE HIER im nächsten Teil, warum die US-Amerikaner die Best Western Gruppe die Kommunisten unter den Hotels nennen, welchen Vorteil Carsten Eck und Anne Friedrich in der Kooperation sehen und wie sich das Hotel (neu) ausrichtet.

Text und Foto (V.i.S.d.P)
Stadtmarketing Baunatal GmbH
Dirk Wuschko
Friedrich-Ebert-Allee 8a, 34225 Baunatal
www.baunatal-bewegt.de

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