Baunatal | Wochenmarkt Mit Stefan Ullrich vom gleichnamigen Gemüsebaubetrieb in Fuldatal habe ich (Dirk Wuschko, Geschäftsführer Stadtmarketing) mich letzte Wochein Fuldatal getroffen. Wir wollen über die Coronazeit auf dem Wochenmarkt und seinen Betrieb sprechen.

Das Stadtmarketing ist seit 8 Jahren auch für den Wochenmarkt Baunatal zuständig und Stefan ist als Marktsprecher mein direkter Kontakt zu den Marktbeschickern. Ich muss zugeben: Als gelernter Stadtmensch (Baunatal ist der kleinste Ort, in dem ich jemals gelebt habe) ist meine Kenntnis von Landwirtschaft und Gemüsebau nur rudimentär und aus der Kinderzeit geprägt. Meine Großeltern hatten einen großen „Nutzgarten“ mit kleiner Rasen- und viel Anbaufläche – zumindest dort habe ich Lebensmittel mal mit der eigenen Hand geerntet (und sofort in den Mund gesteckt). Von daher dachte ich zu wissen: grüne Gurken wachsen am Boden…
Bei der Besichtigung der Anbauflächen in Fuldatal habe ich gelernt, bei Stefan Ullrich nicht – da wachsen sie an „Bäumen“…

Stefan Ullrich, Da, wo die Tomaten für den Wochenmarkt wachsen… Zu Besuch beim Wochenmarktsprecher und Gemüsebauer Stefan Ullrich

Stefan, auf dem Baunataler Wochenmarkt seid Ihr ja schon immer dabei, wie lange gibt es Euren Betrieb?

Ich bin jetzt schon die dritte Generation, mein Opa hat 1938 den Grundstein gelegt. Mein Vater, der den Wochenmarkt auf Initiative vom damaligen Bürgermeister Heinz Grenacher mit gegründet hat, hat den Betrieb 1966 übernommen. Seit 2004 bin ich in der Verantwortung – mit meinem Sohn Tobias steht schon die nächste Generation bereit…

Wie schätzt Du die Situation auf dem Wochenmarkt ein? Ist regionales Einkaufen jetzt „IN“?

Wir hatten schon starken Andrang an den Marktständen, vor allem zu Beginn der Coronakrise – die Menschen wollten lieber im Freien und regionale Ware einkaufen. Mit Euch zusammen haben wir ja auch schnell auf die Anforderungen der Corona Pandemie reagiert – und den Samstagsmarkt auf den Europaplatz ausgeweitet – so dass wir dem Sicherheitsbedürfnis unserer Kunden sofort entgegen gekommen sind.

Prinzipiell war der Einkaufsbon an den Markständen pro Kunde höher – viele Menschen haben ja auf einmal zu Hause die ganze Woche lang die Verpflegung für die Familie organisiert. Wo sonst in der Firma oder im Kindergarten gegessen wurde, musste täglich gekocht werden. Aber es gab auch neue Kunden, die den Baunataler Wochenmarkt für sich entdeckt haben. Jetzt hat es sich wieder normalisiert – aber einige von den neuen – oft auch jüngeren Kunden – kommen jetzt immer öfter.

Stefan  Ullrich  Gemüsebau Wochenmarkt  Baunatal
Stefan Ullrich in seinem Element….

Meinst Du, dass sich das Bewusstsein für regional produzierte Ware verstärkt hat? Wir lernen ja gerade auch viel über die industrielle Herstellung von Fleisch…

Die Tendenz, mehr vor Ort produzierte Ware zu kaufen, ist schon länger als die Coronakrise her. So langsam werden die Bürger wach und wissen zu schätzen, was in der Region produziert wird. Das bezieht sich auf viele der Warengruppen bei uns auf dem Wochenmarkt: Fleisch, Gemüse, Obst, Backwaren, Fisch, Nudeln, Suppen – es macht für viele unserer Marktbesucher schon einen Unterschied, ob der Kunde den Hersteller (und nicht nur den Verkäufer) seiner Ware kennt.

Die Coronakrise hat uns ja gezeigt, dass die Landwirtschaft in bestimmten Bereichen von ausländischen Erntehelfern abhängt, wie viele brauchst Du für Deinen Gartenbaubetrieb?

GAR KEINE! Ich beschäftige 8 Mitarbeiter in der Gärtnereidas gesamte Jahr – na klar ist im Sommer mehr zu tun als im Winter – dadurch können wir die Arbeitszeiten ausgleichen. Wobei unsere Saison, anders als viele denken, ja fast Ganzjährig ist. Der Kohl und die Rüben die im Herbst geerntet werden, müssen ja weiterverarbeitet werden – da ist ein Mitarbeiter schon alleine mit dem Waschen in den Wintermonaten beschäftigt. Im Verkauf auf dem Wochenmarktständen sind ja dann auch noch die halbe Familie und Freunde zusätzlich beschäftigt, so können wir auch die Schwankungen im Geschäft ausgleichen.

War für Dich, da Du ja damit aufgewachsen bist, immer klar, dass dein Beruf Gemüsebauer sein wird?

Am Anfang wollte ich eher Maschinen oder Autos schrauben – aber dann habe ich mich zum Gemüsebau entschieden. Mit Maschinen aller Art habe ich ja jetzt trotzdem zu tun. Und der Winter ist auch dafür da, die Ernte- und anderen Maschinen und Fahrzeuge in Schuss zu halten. Es gibt bei uns auf dem Hof landwirtschaftliche Maschinen die pro Stück 250.000 € kosten – die pflege ich zusammen mit meinen Mitarbeitern gerne…

Stefan Ullrich, Da, wo die Tomaten für den Wochenmarkt wachsen… Zu Besuch beim Wochenmarktsprecher und Gemüsebauer Stefan Ullrich

250.000 € für eine Erntemaschine, die nur ein paar Wochen im Jahr eingesetzt wird?

Wir arbeiten auch in Lohnarbeit für andere Bauern in der Ernte – damit werden unsere Maschinen natürlich besser ausgelastet und Investitionen, die auch schon mal sechstelligsein können werden damit rentabler.

In Deinen Gewächshäusern wachsen im wesentlichen Tomatenund Gurken aber auch Bohnen und Paprika, auf den Feldernverschiedene Kohlsorten, Salate und wurzelgemüse –produzierst Du auch für den Einzelhandel ?

Wir produzieren in erster Linie für unsere Wochenmarktstände in Baunatal, Hann.-Münden und Wehlheiden. Dazu kommen noch Lieferung an Gastronomen in der Region. Für Mengen im Einzelhandel müssten wir deutlich größere Flächen bewirtschaften die wir aber nicht haben, und wir lieben den direkten Kundenkontakt. Dadurch haben wir ganzjährig eine gute Auslastung und eine persönliche Beziehung zu unseren Kunden – das macht für uns mehr Sinn und Spaß.

Stefan Ullrich, Da, wo die Tomaten für den Wochenmarkt wachsen… Zu Besuch beim Wochenmarktsprecher und Gemüsebauer Stefan Ullrich

Ich habe gerade bei unserer Begehung nochmal genau geguckt: Ich habe keine Bananenstauden gesehen…

Obst bauen wir, auser ein paar Himbeeren und einer kleinen Apfel Streuobstwiese nicht mehr an, für den Wochenmarktstand brauchen wir es aber natürlich. Wo immer es geht, beziehen wir unsere Ware wie Äpfel, Birnen oder Erdbeeren von lokalen Obstanbauern – bei Bananen und Orangen geht´s nun mal nicht anders als sie im Großmarkt zuzukaufen.

Danke Stefan, dass Du mir Deinen Betrieb gezeigt hast und natürlich habe ich als „Städter“ einiges gelernt: Bohnenkraut hat gar nichts mit der Bohnen Pflanze zu tun und Gurken wachsen in den Himmel…

Text und Foto (V.i.S.d.P)
Stadtmarketing Baunatal GmbH
Dirk Wuschko
Friedrich-Ebert-Allee 8a, 34225 Baunatal
www.baunatal-bewegt.de

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