Ein Gespräch mit Martin Theis zu Baunatal und seinem gerade veröffentlichten Buch „Endzeitreise“

Ein Gespräch mit Martin Theis zu Baunatal und seinem gerade veröffentlichten Buch „Endzeitreise“
Foto: Jakob Schnetz

Der in Baunatal aufgewachsene Tübinger Journalist Martin Theis stellt am Freitag, dem 05.05.2023, um 19 Uhr sein erstes Buch „Endzeitreise“ in der Stadtbücherei Baunatal vor. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Buchhandlung Nilsson und der Stadtbücherei, wegen des guten Kartenvorverkaufs findet die Veranstaltung jetzt in der Stadthalle (Magistratssitzungssaal) statt. Über Ostern war Martin Theis in Baunatal bei seinen Eltern. Dirk Wuschko traf sich für den Baunatal.Blog mit ihm zum Gespräch über das Buch und seine Baunataler Vergangenheit im Stadtmaketing Büro und musste gleich etwas korrigieren…

Ich habe jetzt schon gelernt, Sie sind kein gebürtiger Baunataler, sondern zugezogen…
(Dirk Wuschko, Stadtmarketing Baunatal)

Ich bin in Kassel geboren und habe mit meinen Eltern zunächst in Elgershausen gelebt. Dann sind wir aus der Mietwohnung in das Eigenheim meiner Eltern in Altenbauna gezogen.

Martin Theis

Und dann, hier zur Schule oder….

Ich bin in Kassel in den Kindergarten und in die Schule gegangen, weil meine Mutter sich für das Waldorf-Umfeld interessiert hat.

Martin Theis

Woher stammt ihre Familie?

Meine Eltern und meine Großeltern haben in Großenritte gelebt. Die Großeltern väterlicherseits sind als Donauschwaben aus Ungarn gekommen und hatten eigentlich einen Bauplatz in Rothwesten. Dann hörten Sie, dass hier ein VW-Werk entstehen sollte und sind in Baunatal geblieben. Meine Eltern sind in Großenritte aufgewachsen und ich bin hier verwurzelt. In meiner Kindheit und Jugend war ich Handballtorwart bei der GSV Eintracht Baunatal. Später war vor allem der Skateboardplatz interessant.

Martin Theis

Gibt es etwas, wo Sie sagen würden, das kann ich mit meiner Zeit in Baunatal direkt verbinden zu meiner journalistischen Tätigkeit jetzt? Sie reisen in der Welt herum, haben das Umwelt-Thema schon länger präsent und machen, das ist ja schon fast eine aussterbende Gattung, sehr lange Reportagen für renommierte Zeitungen.

Baunatal war für mich lange die Welt, mit Kassel als ausreichend großer Erweiterung. Ich hatte eigentlich nie den Drang, weit zu reisen und habe sogar meinen Zivildienst bei den Baunataler Werkstätten gemacht, gerade mal die Straße runter. Als ich nach Tübingen gegangen bin, um Rhetorik zu studieren habe ich realisiert, dass ich noch viel lernen kann – von verschiedenen Orten und Lebensweisen.

Martin Theis
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Foto Jakob Schnetz

Martin Theis erste Reportage war eine Familiengeschichte in Ungarn

Wie haben Sie mit dem Schreiben begonnen?

Ich habe erstmals an Schreibwerkstätten im Uni-Rahmen teilgenommen, da habe ich angefangen, Kurzgeschichten zu schreiben. Dann bin ich jemandem begegnet, der auf einer Reportage-Schule in Reutlingen war. Das ist die einzige Journalistenschule, die auf geschriebene Reportagen spezialisiert ist. Und da dachte ich, okay, das ist ein Beruf, da kann ich über Dinge, die mich interessieren schreiben und dafür werde ich dann bezahlt. Mit der ausreichenden Bezahlung ist es dann manchmal nicht so einfach, habe ich gelernt…

Über das Interesse an Geschichten und den Wunsch, zu schreiben kam dann auch die eine oder andere Reise. Das ist großartig, denn ich bin als Tourist völlig ungeeignet.  Am liebsten reise ich, wenn ich einer konkreten Aufgabe folge. Und so sehe ich auch Orte, die man als Tourist nie betreten würde. So war ich mit einem indigenen Volk im Dschungel Kameruns unterwegs oder zu Gast in der Jurte einer mongolischen Familie.

Martin Theis

Haben Sie sich von Anfang an mit dem Klima beschäftigt?

Das hat sich im Laufe der Jahre so entwickelt. Ich habe anfangs einfach Geschichten über Themen geschrieben, die mich interessieren.

Martin Theis

Und welche Geschichten waren das dann in dem noch jungem Alter?

Ich habe noch an der Reportageschule mit meiner Familiengeschichte begonnen und das Dörfchen in Ungarn besucht, aus dem mein Großvater und meine Großeltern väterlicherseits kamen. Mein Großvater hatte mir immer wieder erzählt, dass er am Tag seiner Vertreibung etwas im Garten vergraben hat: eine kostbare Kupferspritze, ein Behälter für für Pestizid, mit dem man den Weinberg abgespritzt hat. Er hatte gedacht, sie kämen eines Tages wieder zurück und könnten wieder den Weinberg bewirtschaften.

Ich bin auf den Gleisen, auf denen sie mit Viehwaggons damals von der Roten Armee nach Deutschland verfrachtet worden waren, in die andere Richtung gereist und habe mit einer Übersetzerin und einem Fotografen das frühere Haus meiner Familie aufgespürt. Dann musste ich die Leute überzeugen, dass ich da suchen darf und dann haben wir tatsächlich einen professionellen Schatzsucher mit Metalldetektor engagiert.

Ich habe die Kupferspritze dann leider nicht gefunden…

Martin Theis

„Endzeitreise“ ist gerade erschienen, der erste Roman von Martin Theis

Bei der Recherche zu Ihnen wird schnell sichtbar, dass die Reportagen rund um die Klima-Thematik einen großen Teil einnehmen. Ist das jetzt Ihr Herzensthema?

Das ist eher zufällig entstanden. Ich bin 2016 mal eingesprungen, als eine Autorin überraschend schwanger geworden ist. Da hat mich der Fotograf, der mit ihr nach Alaska reisen wollte, gefragt, ob ich einspringen würde. Ich bin spontan mitgekommen, in ein abgelegenes Dorf indigener Einwohner, dem Volk der Yupik.

Die haben das Problem, dass bei denen der Permafrost-Boden taut, das Dorf versank schon so halb im Matsch. Stege führten von Haus zu Haus und der Fluss, der dort an der Stelle im Delta ins Meer floss, hat nach und nach die weiche Erde abgetragen. Ich stand da an der Abbruchkante und dachte: „Ach so, ich dachte, dass dauert noch einhundert Jahre. Da habe ich mit voller Wucht realisiert, dass diese Krise bereits aktuell ist. Das war noch vor Fridays for Future…

Martin Theis

Eine Fragestellung Ihres gerade neu erschienenen Buchs „Endzeitreise“ ist, wie vermittle ich eigentlich Kindern die Zumutungen der Klima-Katastrophe und wie weit geht man mit der Aufklärung?

Mein Buch ist wie ein Roman geschrieben. Die Geschichten, die der Vater dem Sohn erzählt, sind aber wahr und basieren auf meinen Recherchen. In der Rahmenhandlung führt die Reise von Vater und Sohn nach Baunatal. Dabei habe ich meine Familiengeschichte literarisch verarbeitet. Mit meinem wirklichen Kind kann ich allerdings nicht ganz so schonungslos über die Klimakrise reden, wie der Erzähler das mit seinem Buch-Sohn tut. Ich habe mit den Mitteln der Literatur versucht, die Sprachlosigkeit zu überwinden. Natürlich muss man das Kindern schonend beibringen.

Wichtig finde ich aber auch, sie nicht anzulügen, sondern die Wahrheit altersgerecht zu vermitteln. Das ist ein schmaler Grat. Das Thema ist aber überall. Im Sommer etwa hatte die „Sendung mit der Maus“ ein Klima-Spezial – vier Folgen hintereinander.

Martin Theis
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Foto: Jakob Schnetz

Wie sage ich es meinem Kind?

Gerade mit eigenen Kindern benötigt der Mensch eine positive Zukunftsvorstellung. Wenn man den Menschen permanent einredet, die Welt geht unter, kann es auch lähmend wirken. Wir brauchen aber natürlich ein Bewusstsein dafür, dass wir etwas ändern müssen. Aus Ihrer Sicht, wo ist da der Weg?

Ich habe mir in dem Buch auch Gedanken um die Angst gemacht und um diesen Satz von Greta Thunberg: „I want you to panic“. Was sie sicher nicht meinte war, dass man jetzt kopflos handeln soll und alles negativ ist. Sondern das man verstehen soll, wie ernst die Lage ist und es aus einer gewissen Angst davor vielleicht schafft, zu handeln.‘

Wir dürfen die fossilen Brennstoffe, die noch in der Erde sind, nicht verbrennen. In Deutschland müssen wir die Bürokratie in den Genehmigungsverfahren zu Wind- und Solarkraft abbauen. Das muss alles schneller gehen. Und wir müssen uns bemühen, Ökosysteme zu renaturieren und zu beschützen, an Land sowie im Wasser. Intakte natürliche Kreisläufe sind unsere wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Folgen der Klimakrise.

Sonst geht auch nicht die Welt unter, nur unsere Zivilisation oder die Ordnung, die uns so selbstverständlich scheint, die wird ins Wanken geraten. Die Frage ist, wie stark. Die Botschaft der Berichte des Weltklimarates ist: wenn wir jetzt handeln, dann können wir das Ruder noch rumreißen. Das ist ja eigentlich ein positiver Ausblick, dass wir das Problem verursacht haben. Weil es bedeutet, dass wir das Problem lösen können. Aber dafür müssen wir ins Tun kommen.

Martin Theis

Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Wir entschließen uns jetzt in Deutschland aktuell die Atomkraft abzuschalten und verbrennen dafür wieder mehr fossile Brennstoffe. Der „Club of Rome“ ist mittlerweile 50 Jahre her, das hat ja offensichtlich nicht dazu geführt, dass wir unser Lebens- und Gedankenmodell ernsthaft verändern. Haben wir in Deutschland die Kraft, uns von alten Rahmenbedingungen und auch ideologischen Denkmodellen zu lösen, um die richtigen Antworten auf die Klimakrise zu geben?

Ich denke zuerst an milliardenschwere Subventionen für fossile Industrie, auch in Deutschland. Das ist für mich ein veraltetes Denkmuster. Laut einer Studie von OECD und der internationalen Energieagentur haben sich diese Subventionen im Jahr 2021 verdoppelt – auf 697 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Untersucht wurden 51 Länder. Mit steigenden Energiepreisen durch den Ukraine-Krieg steigen die Verbrauchssubventionen weiter.

Deutschlands führende Rolle in Solar- und Windkrafttechnologien hingegen wurde durch die Regierung Merkel hingegen systematisch zerstört. Auch die Ölindustrie trägt dazu bei und investiert sehr viel Geld in Desinformation, um Zweifel zu sähen. Wie früher die Tabakindustrie, die versuchte Zweifel daran zu sähen, dass es wirklich so ungesund ist, zu rauchen. Es sind dieselben Strategien.

Martin Theis

Gibt es für Sie ein Szenario, das wir in einer Demokratie zumindest die 51% der Menschen davon überzeugen, dass wir uns einschränken oder anders leben müssen?

Meine jetzige Heimatstadt Tübingen hat das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden. Ich habe das ein Stück weit begleitet, das findet sich auch im Buch und da wurde mir klar, wie enorm schwierig das ist. Dass das auch nicht jede Kommune so hinkriegen wird, dass es enorme Widerstände gibt. Praktisch, finanziell und auch politisch. Aber das Beispiel hat auch gezeigt, dass es möglich ist, sich mit demokratischen Mitteln und demokratischen Verfahren auf einen ganz neuen Kurs zu einigen. Dinge anders zu machen und Dinge besser zu machen.

Es ist ein Mythos, dass Klimaschutz nur Verzicht bedeutet. Wenn wir jetzt z.B. eine autofreie Innenstadt haben und z.B. eine städtische Carsharing-Flotte und dafür 5.000 Autos weniger in der Stadt unterwegs sind, gewinnen wir etwas: Bessere Luft, mehr Grünflächen und mehr Platz für Fußgänger und Fahrräder. Es ist doch einfach so, dass Menschen sich irgendwann dazu entschieden haben, z.B. Städte als autogerecht zu planen und Menschen können sich auch dazu entscheiden, andere Schwerpunkte zu setzen.

Martin Theis

Haben wir in diesem Kontext da auch ein Kommunikationsproblem, weil wir zu wenig das Gute verkaufen? Also, das Ziel ist ja eigentlich mehr Lebensqualität. So läuft die Kommunikation aber nicht, oder?

Also, ich weiß nicht, wer diesen Irrtum sät. Ich glaube, dass viele Menschen das Gefühl haben, wer das Klima schützt, der will mir mein Schnitzel und meinen SUV wegnehmen. Das geht oft an der Sache vorbei. Und es war schon immer so, dass eine radikale Minderheit letztlich einen größeren, gesellschaftlichen Wandel hervorbringt. Das war doch bei allen großen, zivilisatorischen Schritten so, dass Jemand erstmal die Ordnung herausgefordert hat und es einen entsprechenden Gegenwind gab – zum Beispiel bei der Einführung des Frauenwahlrechts oder der Abschaffung der Sklaverei in den USA.

Die meisten Menschen leben einfach ihr Leben und haben andere Sorgen, das kann ich auch nachvollziehen. Wenn jetzt jemand gucken muss, dass er am Ende des Monats alle Rechnungen bezahlt hat und das Geld knapp ist, dann hat er andere Probleme, als ob jetzt die Innenstadt grün wird. Er macht sich Gedanken, ob das Benzin bezahlbar ist und das Essen.

Martin Theis

Martin Theis: Der Klimawandel ist wahrscheinlich ein psychologisches Problem insofern, das wir kurzfristige Belohnung wollen aber langfristigen Schaden erzeugen.

Früher herrschte die Idee, es geht den Kindern später besser… Dieses besser heißt ja für uns in dem heutigen Kontexten nicht mehr, wir sind reicher.

Genau, das ist an einem Ende angelangt. Das ist eigentlich, der interessante Punkt, der mich auch bewegt hat. Mein Großvater hat von Null angefangen, dann hat er sich was aufgebaut und als ungelernter Schweißer mit einfachsten Mitteln hat er sich ein Haus in Großenritte hingestellt und jedes Jahr einen neuen Jahreswagen gehabt, hat drei Kinder ernährt und ist in der Mittelschicht angekommen. Mein Vater hat es noch ein Stück besser gehabt in dem Sinne und es war immer völlig klar, wenn du dich anstrengst, wirst du es auch besser haben -und besser hieß eben, es ist materiell für alles gesorgt.

Das kommt aus der Erfahrung des Mangels, die unsere Großeltern-Generation sehr stark erfahren hat und auch noch unserer Eltern-Generation. Und dann irgendwann habe ich gemerkt, jetzt sind wir an einem anderen Punkt, wo Menschen in meiner Generation sich nicht mehr einfach irgendwo ein Haus hinstellen können ohne Weiteres. Und wo viele sagen, ich möchte eigentlich gar keine Kinder kriegen, ich rechne mit nichts Gutem in der Zukunft.

Martin Theis

Aber wie absurd ist das eigentlich?

Ja, es ist ein bisschen surreal und es war wahrscheinlich schon immer so. Ich stelle mir vor: Kalter Krieg, 2. Weltkrieg. Es gab wahrscheinlich immer gute Gründe, die Zukunft schwarz zu sehen. Aber ich finde, dieses Klima-Thema ist noch eine Spur unheimlicher, weil es so allumfassend ist. Es ist schwer vorstellbar, sehr abstrakt. Die Hoffnung ist aber beschränkt durch wissenschaftlich fundierte Ausblicke. Das bedeutet nicht, dass unsere Zukunft auf jedem Fall schwarz zu sehen ist. Aber es ist auf jeden Fall klar, wenn wir nichts tun, dann wird es nicht von allein besser. Es wird dann sehr unangenehm.

Martin Theis

Aber wir haben auch echt ein Problem mit der Belohnung für heutiges Verhalten. Der Lohn ist, dass in 20 Jahren das Klimaziel erreicht wird und die Welt nicht schlechter wird...

Der Klimawandel ist wahrscheinlich ein psychologisches Problem insofern, als das wir kurzfristige Belohnung wollen aber langfristigen Schaden erzeugen. Das ist wie beim Zucker essen. Bei Corona haben wir gesehen, dass die Menschheit sehr konzentriert auf eine Krise reagieren kann. Wir haben gemerkt, wir können eine globale Krise ernst nehmen. Wir können sogar Absprachen treffen und wir können enorme Einschnitte rechtfertigen. Bei der Klimakrise fällt uns das schwer, weil es ein bisschen weiter in die Zukunft verlagert ist und weil wir hier nicht die unmittelbaren Auswirkungen unseres jetzigen Handelns spüren – sowohl im negativen als auch im positiven Sinne.

Das heißt, die Leute, die als erstes davon betroffen sind, sind ja Leute an anderen Orten der Welt. Und wenn ich mich jetzt einschränke, spüre ich nicht lokal die Folgen, das geht ja auf ein großes, globales Konto, wo man gar nicht mehr nachvollziehen kann, wer jetzt welchen Anteil hat. Man hat deshalb immer das Gefühl, China oder Indien oder die USA müssten doch jetzt anfangen mit dem Klimaschutz.

Martin Theis

Während Corona gab es den zutiefst menschlichen Impuls, „Ich will mein Leben zurück.“ Es soll wieder so sein wie vorher. Bei der Klimakrise müssen wir den Menschen sagen, so wie vorher geht es nicht. Da gibt es noch andere Scharniere im Kopf, die zu bewegen wären.

Und da kommen wir wieder auf die Angst, also die Angst im positiven Sinne. Wenn wir uns mal vergegenwärtigen, was es bedeuten würde, wenn wir unseren Lebensstil nicht ändern, dann merken wir: dann geht uns eigentlich die Freiheit verloren. Dann wird unser Leben noch viel weniger sein wie vorher. Das heißt, eigentlich sollte man sich jetzt anpassen und alles tun, was man tun kann, damit möglichst viel Normalität möglich bleibt.

Das ist ein Schritt, der immer übersprungen wird. Man sieht dann immer nur, wie sich das Leben jetzt verändert, wenn wir Klimaschutz machen. Man sieht nicht, wie sich das Leben verändert in 20, 30, 100 Jahren wenn wir jetzt eben keinen Klimaschutz machen.

Martin Theis

Um nochmal zum Buch zurückzukommen und zu Ihrer Situation mit dem Kind. Sie gehen trotzdem für sich von einer optimistischen Lebenssicht aus?

Ich würde gegenüber Kindern immer die positive Perspektive stärken. Und ich finde, man kann das auch aufrichtig tun. Es gibt viel Lösungen, die es früher nicht gab, es gibt viele positive Entwicklungen. Und man kann der Krise immer auch etwas Positives abgewinnen, also wie wir zum Beispiel während Corona den Wert von Freundschaft, sozialem Kontakt, Familie anders schätzen gelernt haben. Oder wenn man die Endlichkeit seines Lebens begreift, und das mal wirklich realisiert, dann kann man manche Dinge viel farbenfroher wahrnehmen.

Man darf sich fragen: Welcher Aufgabe will ich mich widmen? Und für mich bedeutet das, ich möchte in irgendeiner Weise damit arbeiten und darüber Geschichten erzählen, weil mich das einfach beschäftigt. Aber ich muss auch sagen, dass ich im Moment nicht genügend Bemühungen sehe und dass ich wenig Anlass zur Hoffnung sehe, dass wir das richtig gut bewältigen.

Dafür ist es noch nicht angekommen in der Politik und auch bei den Menschen, wie weit wir schon fortgeschritten sind. Also, dieses 1,5 Grad Ziel bis zum Ende des Jahrhunderts nicht zu überschreiten, das ist eigentlich fast schon unmöglich – auch die 2 Grad werden schwierig. Danach wird es ziemlich brenzlig. Aber man weiß natürlich nie, wie sich die Dinge entwickeln. Ich hoffe auf Quantensprünge in den Technologien und vor allem im Bewusstsein der Menschen.

Martin Theis

Hier gibt es den Blog Beitrag zur Lesung am 5.5.2023

Pressetext & Fotos (V.i.S.d.P.)
Stadtmarketing Baunatal GmbH
Geschäftsführer Dirk Wuschko
Friedrich-Ebert-Allee 8a | 34225 Baunatal
www.stadtmarketing-baunatal.de

Dieser Baunatal Blog ist ein Service des Stadtmarketing Baunatal mit Nachrichten aus Baunatal, dem Landkreis Kassel und der Region Nordhessen. Die Autoren der jeweiligen Artikel und Fotos sind am Ende des Textes unter V.i.S.d.P. (Verantwortlich im Sinne des Presserechts) ausgewiesen. Nur wenn dort die Stadtmarketing Baunatal GmbH steht, sind wir der richtige Ansprechpartner.
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