42 Kilometer. 30.000 Burpee Jumps. Ein Ziel. Ein Weltrekordversuch ab 2.9.2026 im Parkstadion
Baunatal 60 | Sport Ein Weltrekordversuch zum Stadtjubiläum: Im Rahmen von 60 Jahren Baunatal stellt sich der Baunataler HYROX-Athlet Kevin Ociepka einer außergewöhnlichen Herausforderung. Ab dem 2. September will der 31-Jährige im Parkstadion die komplette Marathondistanz von 42 Kilometern ausschließlich mit sogenannten Burpee Broad Jumps zurücklegen – rund 30.000 Wiederholungen und 108 Stadionrunden. Sein Ziel: den derzeit bei 197 Stunden liegenden Weltrekord deutlich zu unterbieten.
Dabei soll der Rekordversuch ausdrücklich auch zu einem Gemeinschaftserlebnis werden: Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, ins Parkstadion zu kommen, Kevin anzufeuern und ihn zu unterstützen. Wer möchte, kann sogar ein paar Meter mitmachen oder ihn laufend begleiten – und damit möglicherweise selbst Teil eines neuen Weltrekords in Baunatal werden.
Im Interview spricht Kevin Ociepka über die Idee hinter der ungewöhnlichen Herausforderung, seine Verbindung zu Baunatal, körperliche und mentale Grenzen – und darüber, warum ihm die Gemeinschaft rund um den Sport mindestens ebenso wichtig ist wie der Rekord selbst.
Wie kommt man auf die verrückte Idee, einen Marathon mit Burpee Broad Jumps zurückzulegen?
Die Idee ist letztes Jahr auf Kreta im Trainingslager entstanden. Da habe ich schon eine Meile Burpee Broad Jumps gemacht, also 1,6 Kilometer – eigentlich einfach aus Spaß. Dafür gibt es ebenfalls einen Weltrekord, und den habe ich damals inoffiziell gebrochen. Der Inder, der den Weltrekord über die 42 Kilometer aufgestellt hat, hat das später auf Social Media gesehen. Da habe ich gedacht: Das kriege ich hin, das ist machbar. Ich bin bei Challenges sowieso immer dabei, gerade bei so verrückten Sachen. Also dachte ich mir: Komm, dann breche ich das Ding jetzt. Der aktuelle Weltrekord liegt bei 197 Stunden für 42 Kilometer – inklusive Pausen und Schlaf. Das sind mehr als acht Tage.
Du bist in Baunatal geboren und aufgewachsen. Was bedeutet es dir, ausgerechnet hier in deiner Heimatstadt diesen Weltrekordversuch zu starten?
Für mich war sofort klar, dass ich das hier machen möchte. Ich wohne noch immer in Baunatal, habe meine sportliche Karriere hier gemacht. Ich bin von klein auf sportlich aufgewachsen und war immer im Verein. Deshalb wollte ich den Versuch zu Hause machen – dort, wo meine Leute, meine Freunde und meine Familie sind.
Wenn du als kleiner Junge im Parkstadion gestanden hättest – hättest du dir jemals vorstellen können, dass du hier einmal einen Weltrekord angreifen würdest?
Nein, niemals. Das hätte ich nicht gedacht. Ich hätte allgemein nie daran gedacht, einmal einen Weltrekord zu versuchen, weil das schon etwas Verrücktes und eine echte Grenzerfahrung ist.
Baunatal feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag. War das für dich ein zusätzlicher Anreiz, den Weltrekord gerade jetzt und hier anzugehen?
Das hat natürlich perfekt gepasst: Sportstadt Baunatal, 60 Jahre – das passt super zusammen. Für mich ist es auch eine Möglichkeit, Baunatal zu vertreten und zu zeigen, was die Sportstadt Baunatal mit ihren zahlreichen sportlichen Angeboten über die Jahre hervorgebracht hat.
Warum hast du dich für das Parkstadion entschieden? Was verbindet dich mit diesem Ort?
Ich mache im Parkstadion immer mal wieder meine Intervalltrainings und laufe dort. Das Parkstadion gehört für mich einfach zu Baunatal. Es ist ein Riesending hier, die Kulisse ist wunderschön und jeder Baunataler kennt das Parkstadion. Außerdem liegt es sehr zentral.
Baunatal gilt seit Jahrzehnten als Sportstadt – mit starken Vereinen, vielen Ehrenamtlichen und einer außergewöhnlichen Sportinfrastruktur. Was bedeutet es dir, mit deinem Weltrekordversuch ein Stück weit Botschafter dieser Sportstadt zu sein?
Mein Gedanke – auch bei Social Media und in meiner Arbeit als Physiotherapeut und Trainer – ist immer, Leute irgendwie in Bewegung zu bringen. Es muss überhaupt nichts Verrücktes sein. Ich möchte Menschen dazu bringen, spazieren zu gehen, eine kleine Mobility- oder Dehnungseinheit zu machen – egal was, Hauptsache Bewegung. Ich finde es schön, dafür ein Stück weit voranzugehen und zu zeigen: Wenn einer so etwas Verrücktes macht, dann kann ich mich vielleicht auch einfach zehn Minuten am Tag bewegen. Das ist immer meine Intention dahinter.
Das Parkstadion ist seit Jahrzehnten Schauplatz großer Sportveranstaltungen. Glaubst du, dass dein Weltrekordversuch ein weiteres Kapitel der Baunataler Sportgeschichte schreiben kann?
Auf jeden Fall. Jeder, mit dem ich aus meiner Bubble spreche, sagt: Burpees sind für die meisten Menschen eine der ekligsten Übungen überhaupt – und dann direkt 42 Kilometer davon zu machen, ist schon eine Hausnummer. Das ist nichts, was man mal eben schnell macht. Ich glaube schon, dass das seine Kreise ziehen und auch hier in Baunatal gut ankommen wird. Viele haben mir bereits zugesichert, dass sie vorbeikommen und mich supporten.
Der aktuelle Weltrekord liegt bei 197 Stunden, dein Ziel ist es, diese Zeit zu halbieren. Hast du nie gedacht: „Vielleicht habe ich mir da ein bisschen zu viel vorgenommen?“
Nein, tatsächlich nicht. Ich habe ein sehr gesundes Selbstvertrauen. Ich bin so gesund und fit wie noch nie in meinem Leben, weil ich zurzeit wirklich alles in den Sport stecke. Bei mir dreht sich den ganzen Tag viel um Sport, Recovery und Ernährung – um alles, was ich machen muss, um besser zu werden. Ich weiß, wie stark mein Kopf und mein Mindset sind und wie gut mein Körper solche Belastungen verträgt. Deshalb hatte ich nie den Gedanken, dass es nicht funktionieren könnte. Ich hatte keinen Zweifel: Ich mache es einfach.
Rund 30.000 Burpee Jumps – allein die Zahl macht vielen schon beim Zuhören Muskelkater. Was wird am Ende mehr entscheiden: deine körperliche Fitness oder dein Kopf?
Das kann ich tatsächlich noch kaum einschätzen. Mental bin ich super stark und körperlich bin ich im Moment ebenfalls auf meinem Peak. Ich glaube, es wird ein Mix aus beidem. Wenn der Körper müde wird, leidet natürlich irgendwann auch der Kopf. Aber im Endeffekt ist das ein Mindset-Ding: Ich muss mir sagen, dass ich jetzt vier Tage lang jeden Tag ungefähr zehn Stunden Burpees mache – und das dann einfach durchziehen. Irgendwann wird der Kopf das Ding entscheiden, denn grundsätzlich kann der Körper das. Natürlich muss er mitspielen. Eine Verletzung wäre problematisch, aber ich habe Physio-Kollegen, die vorbeikommen und mich zwischendurch behandeln werden. Und als Physiotherapeut kann ich selbst gut in meinen Körper hineinfühlen und einschätzen, was zu tun ist. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich das gut durchstehen werde.
Du trainierst neunmal pro Woche und arbeitest als Physiotherapeut und Trainer. Wie sieht die Vorbereitung auf ein Projekt aus, das es so noch nie gegeben hat?
Das ist eher eine Sidequest für mich. Rein sportlich bereite ich mich darauf so gut wie gar nicht speziell vor. Wie will man für mehr als 30.000 Burpees trainieren? Klar könnte ich jeden Tag 200 Burpees machen, aber ob mich das wirklich auf über 30.000 vorbereitet? Am Ende muss ich es einfach machen. Ich bin fit, ich weiß, was mein Körper kann, und Burpees kann ich, wenn es nicht auf maximales Tempo geht, sehr lange machen. Deshalb bin ich überzeugt, dass ich das hinbekomme.
Die meisten Hyrox-Athleten würden sagen, Burpee Broad Jumps seien die schlimmste Disziplin überhaupt. Du nennst sie dagegen deine Lieblingsstation. Was reizt dich daran?
Dadurch, dass ich relativ klein bin, kann ich Burpee Broad Jumps gerade beim Hyrox sehr schnell ausführen. Beim Hyrox in Istanbul war ich dieses Jahr bei dieser Station sogar auf Platz eins – mit einer wirklich starken Zeit. Ich mochte schon immer Übungen, die den Puls richtig hochjagen und die die meisten Leute sehr anstrengend finden. Das hat mir schon immer Spaß gemacht.
Dein Antrieb bestehe darin, Menschen zu mehr Bewegung zu motivieren. Wenn jemand nach deinem Rekordversuch wieder mit Sport anfängt, wäre das sogar wertvoller als der Rekord selbst?
Ja, hundert Prozent. Das ist mein höchstes Bestreben als Physiotherapeut, Coach und „Mini-Influencer“. Ich möchte Menschen dazu bringen, sich zu bewegen. Wenn mir Leute schreiben oder persönlich sagen: „Dank deiner Motivation oder Inspiration habe ich wieder angefangen, Sport zu machen und mich zu bewegen“, dann ist das für mich mehr wert als alles andere.
Im Sport geht es um Disziplin, Durchhaltevermögen, Teamgeist und respektvollen Umgang miteinander. Gibt es etwas davon, von dem wir als Gesellschaft, vielleicht auch in der Politik, mehr gebrauchen könnten?
Teamgeist und ein respektvoller Umgang sind für mich besonders wichtig – gerade auch in der Politik. Jeder darf seine eigene Meinung haben, aber es sollte nie dazu kommen, dass man die des anderen niedermacht. Im Sport ist es ähnlich: Bei einem Wettkampf ist es eine Competition, jeder möchte gewinnen und den anderen oder sich selbst besiegen. Trotzdem verbindet einen der Sport und man zieht an einem Strang. Das lässt sich auf die Politik übertragen. Man arbeitet letztlich für das gleiche Ziel, wenn auch auf verschiedenen Wegen und mit unterschiedlichen Vorstellungen. Deshalb sollte man gemeinsam für die Bevölkerung arbeiten; damit es den Menschen, auch und gerade in Baunatal, in Zukunft weiter gut geht.
Während der drei bis vier Tage soll jeder vorbeikommen, dich anfeuern oder sogar ein paar Meter mitmachen können. Wie wichtig ist dir dieser Gemeinschaftsgedanke?
Sehr wichtig. Ich liebe die Connections, die durch den Sport entstehen. Es haben mir schon viele Leute geschrieben, die aus Köln, Hamburg, Frankfurt, Leipzig oder Berlin kommen und mich bei dieser Geschichte unterstützen wollen. Dieser Gemeinschafts- und Teamgedanke ist genau das, was den Sport und auch Menschen voranbringt. Der gegenseitige Support ist unglaublich viel wert. Ich bin sehr dankbar, dass ich so viele Leute und Freunde habe, die vorbeikommen möchten. Und ich möchte mit dem Versuch auch zeigen, dass man gemeinsam viel mehr erreichen kann.
Du bekommst Unterstützung von vielen Menschen aus Baunatal, aber auch weit darüber hinaus. Spürt man so etwas schon vor dem Start oder erst während der Herausforderung?
Das spürt man auf jeden Fall schon vorher. Seitdem ich den Versuch vor einigen Wochen öffentlich gemacht habe, bekomme ich sehr viel Feedback – sowohl persönlich als auch über Nachrichten, Instagram und andere Kanäle. Man merkt schon sehr deutlich, wie sehr die Leute dabei sind und dass sie mich unterstützen möchten. Das ist sehr cool.
Es wird Tage geben, an denen es richtig wehtut. Was würde der zwölfjährige Kevin dem Kevin von heute kurz vor dem Start ins Ohr flüstern?
Vielleicht: „Just do it.“ Oder auch: „Bist du eigentlich bekloppt?“ Ich war aber schon mit zwölf ein sehr positiver Mensch und fand solche Sachen immer cool. Wahrscheinlich würde der zwölfjährige Kevin auch sagen: „Ich bin stolz auf dich – darauf, wo du es hingeschafft hast.“ Ich hatte schon immer diesen Leistungsgedanken und wollte immer Leistungssportler sein. Jetzt hier zu sein und das so machen zu können, ist schön.
Stell dir vor, wir stehen hier am Ende und der Weltrekord ist geschafft. Was wäre der erste Gedanke, der dir durch den Kopf geht?
Der erste Gedanke wäre wahrscheinlich: „Endlich ist es vorbei.“ Und dann: „Du hast es durchgezogen. Du hast dein Versprechen an dich selbst nicht gebrochen und kannst verdammt stolz darauf sein, dass du das gemacht hast, was du dir vorgenommen hast.“ Ich wäre einfach glücklich, dass es vorbei ist und dass ich es durchgezogen habe. Aber ich glaube, das tatsächliche Gefühl wird noch einmal etwas ganz anderes sein. Das kann ich jetzt wahrscheinlich noch gar nicht beschreiben.
Falls es wider Erwarten nicht klappen sollte – würdest du sagen, dass sich der Versuch trotzdem gelohnt hat?
Ja, immer. Ich bin ein Freund davon zu sagen: Es lohnt sich immer, egal was man macht, wie kurz oder lang es dauert und ob es am Ende klappt oder nicht. Es ist immer eine neue Erfahrung. Man lernt sich durch solche Herausforderungen selbst noch einmal besser kennen – auch mental und im Umgang mit bestimmten Situationen. Diese Erfahrung nimmt man auf jeden Fall mit. Wertvoll wäre der Versuch also in jedem Fall.
Du hast die Hyrox-Weltmeisterschaft 2027 in Hongkong als großes sportliches Ziel genannt. Ist der Weltrekord ein Zwischenschritt oder der Startschuss für noch größere Herausforderungen?
Ich würde sagen, es ist schon irgendwo ein Zwischenschritt. Diesen Weltrekord sehe ich vor allem als Challenge an mich selbst und an mein Mindset. Ob danach noch etwas Größeres kommt, weiß ich nicht. Vielleicht stößt der Versuch aber auch über Social Media einiges an und führt dazu, dass ich zu anderen Challenges eingeladen werde. Die Hyrox-Weltmeisterschaft ist für mich jetzt aber erst einmal die große Priorität. Dort hinzukommen, ist aktuell mein höchstes sportliches Ziel.
Zum Schluss: Was möchtest du den Baunatalerinnen und Baunatalern mit auf den Weg geben? Warum lohnt es sich, zwischen dem 2. und 6. September dich im Parkstadion zu unterstützen?
Einerseits lohnt es sich, diese Gemeinschaft kennenzulernen, die ich durch meinen Sport und durch die Hyrox-Bubble im vergangenen Jahr so intensiv erlebt habe. Ich habe noch nie erlebt, dass man sich gegenseitig so stark unterstützt – selbst wenn man gegeneinander antritt und Konkurrent ist. Man weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt, und erkennt die Leistung des anderen an. Allein für diese Gemeinschaft lohnt es sich, vorbeizukommen und dieses Gefühl mitzunehmen: Gemeinsam macht es viel mehr aus, gemeinsam ist man stärker und kann viel mehr erreichen.

Zur Person:
Kevin Ociepka ist 31 Jahre alt, gebürtiger Baunataler und in Großenritte aufgewachsen. Sport begleitet ihn bereits seit seiner Kindheit: Zwölf Jahre lang war er als Schwimmer beim KSV Baunatal aktiv, ebenso lang betrieb er Karate. Mit 17 Jahren kam Fitnesstraining hinzu.
Nach vielen Jahren ohne Wettkampfsport suchte Ociepka 2024 eine neue sportliche Herausforderung und fand sie im HYROX. Seitdem kombiniert er intensives Lauf-, Kraft- und Ausdauertraining und absolviert derzeit bis zu neun Trainingseinheiten pro Woche. Sein nächstes großes Ziel ist die Qualifikation für die HYROX-Weltmeisterschaft 2027 in Hongkong.
Beruflich ist Ociepka seit 2018 ausgebildeter Physiotherapeut und zusätzlich als Trainer im Fitnessbereich tätig. Auch über Social Media möchte er Menschen für Sport und Bewegung begeistern; seit Frühjahr 2025 baut er dort seine Präsenz kontinuierlich aus.
Steckbrief
Alter: 31 Jahre
Wohnort/Heimat: Baunatal
Beruf: Physiotherapeut, Trainer und Coach
Sport: HYROX, Laufen und Krafttraining
Trainingspensum: bis zu neun Einheiten pro Woche
Sportliches Ziel: HYROX-WM 2027 in Hongkong
Motto: Bewegung, neue Herausforderungen und die eigenen Grenzen verschieben
Text & Foto (V.i.S.d.P)
Stadt Baunatal vertreten durch den Magistrat
Marktplatz 14, 34225 Baunatal
Telefon: 05 61 / 49 92 -0
https://www.baunatal.de
Dieser Baunatal Blog ist ein Service des Stadtmarketing Baunatal mit Nachrichten aus Baunatal, dem Landkreis Kassel und der Region Nordhessen. Die Autoren der jeweiligen Artikel und Fotos sind am Ende des Textes unter V.i.S.d.P. (Verantwortlich im Sinne des Presserechts) ausgewiesen. Nur wenn dort die Stadtmarketing Baunatal GmbH steht, sind wir der richtige Ansprechpartner.
Bitte wenden Sie sich mit Anregungen & Kritik an die enstprechenden Autoren der Nachrichten.
ALLE VERANSTALTUNGE IN BAUNATAL findet ihr HIER: veranstaltungen.baunatal.digital
Keine Baunataler Nachrichten mehr verpassen: Einfach den Baunatal.Blog abonnieren und eine E-Mail erhalten, wenn ein neuer Artikel erscheint:
Entdecke mehr von NEWS AUS BAUNATAL
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.